Gedenkanlass zum Reinacher Erdbebenkreuz vom 12. Mai 2017

Pöbelei zwischen Adligen und einem Prister

Ein Ritter und ein Graf, beide offenbar betrunken, so wird berichtet, sollen 1356 auf ihrem Ritt von Aesch nach Basel im Gebiet auf der Wacht einem Priester begegnet sein. Diesen beleidigten sie und pöbelten ihn an. Mahnende Worte des Geistlichen blieben erfolglos; spottend ritten sie weiter. Kurz vor Basel bereute Graf Walram von Thierstein sein Benehmen und kehrte zurück, um sich zu entschuldigen. Den Priester fand er dort nicht mehr, hingegen begann plötzlich die Erde zu beben und er beobachtete, wie die Burgen im Birseck einstürzten. Da er selbst, seine Frau und sein Kind dieses Erdbeben heil überstanden, stiftete er ein Votivkreuz. Sein Weggefährte, Graf Werner von Bärenfels, ritt damals in die Stadt und kam beim Erdbeben ums Leben.

Dieses Kreuz stand jahrehundertelang an der Baselstrasse im Bereich der Einmündung Reichensteinerstrasse. Leider fiel es 1972 dem Ausbau der Hauptstrasse zum Opfer und wurde entsorgt.

In den Satzungen der Zunft zu Rebmessern steht unter anderem als Ziel, dass sie sich auf kulturhistorischem Gebiet betätigt. Daher beauftragte die Zunft 1978 den Grafiker Willy Göttin, ein neues Kreuz zu gestalten. Dieses Erdbebebenkreuz am Dornacherweg zeigt auf eindrückliche Art, leider hinter einer ungepflegten Hecke, wie der Künstler sich mit dem Erdbeben von 1356 auseinandersetzte. Die Zunft lud zu einem Informationsanlass über dieses Kreuz und das Basler Erdbeben ein. Eine stattliche Anzahl Interessenten trafen sich am vergangenen Freitag beim Kreuz, wo sie von Zunftmeister André Sprecher begrüsst wurden. Nach den Erklärungen von Willy Göttin zur Entstehung dieses Kreuzes führten zwei Tambouren hinter dem Zunftbanner die Leute auf die Banntagswiese. Dort kamen sie in den Genuss eines spannenden Vortrages von Historiker Dr. Franz Wirth über die damalige Erdbeben- und Brandkatastrophe in Basel. Mit Grilladen und Getränken, offeriert von der Zunft, endete der Anlass. Wer nicht dabei war, hat etwas verpasst.

 

Rolf Küfer

Chronist